Minoxidil – Ein Wirkstoff mit Doppelwirkung

Spätestens der Bilck in den Spiegel verrät, dass natürliches Altern äußerlich nicht spurlos an einem vorüber geht. Ein besonderes Merkmal, das meist mit dem Altern bei Männern in Verbindung gebracht wird, ist der Haarausfall. Ungefähr 80 Prozent leiden in der Regel bei zunehmendem Alter darunter. Auch jede dritte Frau gilt als betroffen. Erste Anzeichen dafür, dass der Haarausfall voranschreitet, ist neben lichtem Haar, dass am Scheitel mehr als gewöhnlich die Kopfhaut durchscheint oder die Geheimratsecken tiefer in den Ansatz hineinreichen. Seit zahlreichen in Drogeriemärkten frei verkäuflichen Koffein- und Anti-Haarausfall-Shampoos, setzt ein Großteil der Betroffenen hoffnungsvoll auf die Bekämpfung dieser Erscheinung. Ein Wirkstoff , der auch als blutdrucksenkendes Mittel eingesetzt wird, wird hierbei besonders erfolgsbringend eingesetzt: Die Rede ist von Minoxidil.

Minoxidil kann Haarausfall stoppen

Minoxidil zählt als Wirkstoff zu der Gruppe der Antihypertensiva. Unter diesem Begriff versammeln sich unterschiedliche blutdrucksenkende Mittel, die in der Medizin gezielt eingesetzt werden. Minoxidil wird heutzutage trotz dieser Wirkweise meist gegen erblich bedingten Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt, eingesetzt. Seine Doppelwirkung wurde in den 1970er Jahren in den USA entdeckt. Im Jahr 1988 wurde er dann erstmals auch gegen Haarausfall zugelassen. Seit 1996 unterliegt der Stoff nicht mehr dem Patentschutz und ist daher in unterschiedlichen Medikamenten enthalten. Der Wirkstoff Minoxidil kann den Haarausfall nicht nur verlangsamen, sondern im besten Fall auch stoppen. Nachweislich gibt es sogar Fälle, bei denen der Kopf- und Barthaarwuchs erneut stimuliert wurde.

Erblich bedingtem Haarausfall mit Minoxidil entgegenwirken

In vielen Fälle ist der Haarausfall genetisch bedingt. Macht sich erster ernstzunehmender Verlust bemerkbar, macht es Sinn diesem mit Minoxidil entgegenzuwirken. Minoxidil entfaltet seine Wirkung in einer 5%-Dosierung insbesondere bei Männern zwischen 18 und 49 Jahren. Frauen profitieren auch bei geringerer Dosierung mit einem Anteil von 2% von den Vorteilen des Wirkstoffs. Kopfhautflächen, die ungefähr einen Durchmesser von 3–10 cm haben, können mit Hilfe von Minoxidil stabilisiert werden. Generell gilt: Die kahle Fläche sollte nicht größer als zehn Zentimeter sein. Je kleiner die zu behandelnde Stelle, umso erfolgreicher wirkt die Minoxidil-Therapie. Was klinisch nicht belegt ist, ist die Wirksamkeit des Stoffs bei Geheimratsecken. Empfohlen wird ausschließlich eine Behandlung am Hinterkopf. Bei regelmäßiger Anwendung soll der Bart wieder kräftiger nachwachsen und kleinere Lücken im Bart können sich bei erfolgreicher Anwendung erneut schließen. Wissenschaftliche Studien gibt es zu dieser Aussage allerdings derzeit noch nicht.

Erzielte Ergebnisse mit Minoxidil

Herstellerinformationen wollen belegen, dass der Haarausfall bei 70–80 % der Fälle aufgehalten wird. Bei ca. 30 % ist sogar Haarneuwuchs zu beobachten. Allerdings wird doch bei weniger als 10 % ein durchweg befriedigendes Ergebnis erzielt. Liegt der Haarausfall weniger als 10 Jahre zurück, ist der Mensch dunkelhaarig und dazu noch unter 50 Jahren alt, stellen sich die besten Ergebnisse ein. Wichtig ist zu bedenken, dass auch bereits die Wirkung erzielt ist, wenn sich der Haarausfall verlangsamt oder gestoppt wird. Minoxidil ist nicht in erster Linie dazu gedacht das Haarwachstum zu stimulieren.

Minoxidil senkt den Blutdruck

Minoxidil wird aber auch in seiner ursprüglichen Wirksamkeit weiterhin verwendet. Schlägt die Behandlung mit anderen Medikamenten nicht an, wird Minoxidil immer noch als blutdrucksenkendes Mittel in der Medizin eingesetzt. Jedoch erst dann, wenn der Bluthochdruck als therapieresistent eingestuft wird und auch die maximale Dosis eines anderen Medikaments keine Wirkung erzielt. Dass Minoxidil bei der Behandlung von Bluthochdruck nicht an erster Stelle steht, ist auf seine zahlreichen Nebenwirkungen zurückzuführen, die bei der oralen Einnahme auftreten können.

Anwendung

Da Minoxidil auf zwei Gebieten zur Anwendung kommt, gibt es auch zwei unterschiedliche Anwendungsweisen.

1. Minoxidil zur Behandlung von Bluthochdruck

Wird Minoxidil zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, wird der Wirkstoff in Form von Tabletten eingenommen. Diese werden ein- oder zweimal täglich in einer mit dem Arzt abgesprochenen Dosierung eingenommen. Die Tagesmaximaldosis beträgt aber immer einhundert Milligramm. Auch geringer dosiert, ist der Blutdruck meist wieder in den Griff zu bekommen. Wichtig bei der Einnahme zu beachten ist, dass Minoxidil normalerweise nur in Kombination mit einem Betablocker oder einem Diuretikum verwendet werden sollte.

2. Minoxidil zur Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall

Wird Minoxidil als Wirkstoff gegen erblich bedingten Haarausfall eingesetzt, geschieht die Anwendung direkt da, wo sie auch wirken soll, nämlich ca. zweimal täglich im Kopfbereich. Der Wirkstoff wird in Form einer Lösung oder eines Schaumes auf die Kopfhaut aufgetragen. Wichtig ist hierbei, dass das Minoxidil direkt auf der Kopfhaut und nicht auf den Haaren aufgetragen wird. Danach wird der Wirkstoff sanft und leicht einmassiert. Nicht zu empfehlen ist, die Lösung bzw. den Schaum in die Nähe der Augen oder der Schleimhäute tropfen zu lassen, da dies zu brennendem Schmerz führen kann.

Minoxidilbehandlungen unter ärztlicher Überwachung

Eine ärztliche Überwachung ist bei dem Einsatz von Minoxidil nur dann notwendig, wenn der Wirkstoff in Tablettenform zur Behandlung eines zu hohen Blutdrucks eingesetzt wird. Im Fall der Behandlung des Haarausfalls, stellen sich meist nach ca. drei bis vier Monaten erste Erfolge ein. Ein optimales Ergebnis wird jedoch erst nach ca. einem Jahr erzielt. Zu bedenken ist also, dass es sich hier um eine Langzeittherapie handelt, die durchaus Geduld erfordert. Wird der Gebrauch von Minoxidil abgebrochen, kann sich nach etwa drei bis vier Monaten erneuter Haarausfall einstellen.

Wirkung von Minoxidil

Minoxidil wirkt auf die Erweiterung der Blutgefäße ein. Die glatte Muskulatur der Blutgefäße wird durch den Wirkstoff erschlafft, sodass sich die Gefäße weiten können. In Folge dessen wird das Blut mit weniger Druck durch die Gefäße geleitet und der messbare Blutdruck sinkt. Es ist nicht genau erwiesen, wie Minoxidil auf die Haare und ihr Wachstum wirkt, jedoch ist beim Wachstum der Haare entscheidend, wie es um die Gefäße rund um die Haarwurzeln bestellt ist. Sind die Blutgefäße am Ende der Haarwurzel geweitet, kann durch verbesserte Durchblutung das Haar optimal mit Nährstoffen versorgt werden. Dadurch wird das Wachstum angeregt.